Flächenpolitik in Sachsen

Zum Thema „Landgrabbing in Sachsen – Wie auf dem Land der Boden verschwindet“ lud der Ernährungsrat Dresden und Region am 6. Februar in das Ökumenische Informationszentrum in Dresden ein.

Was in Städten als Gentrifizierung bekannt ist, findet auch außerhalb der Stadt als Landgrabbing statt: die Bodenpreise schießen in die Höhe, der Verdrängungswettbewerb geht weiter unter dem Motto „wachsen oder weichen“. Es gibt entweder Land oder Hof, aber nicht Land und Hof. Dabei braucht die Landwirtschaft dringend Nachwuchs. Zu diese Problematik berichteten unsere beiden Referenten.

Willi Lehnert vom Bündnis Junge Landwirtschaft berichtete über die aktuellen Praktiken der Landvergabe in Ostdeutschland durch die BVVG (Bodenverwertungs- und Verwaltungs GmbH). Diese stelle eine akute Bedrohung der bäuerlichen Existenzen sowie der landwirtschaftlichen und ökologischen Vielfalt dar, da die Vergabe intransparent geschieht und agrarindustrielle Großbetriebe bevorzugt. Daraus entstehen Benachteiligungen für bäuerliche Betriebe und Jungbauern. Großbetriebe werden noch größer und es kommt zu mehr Monokulturen, Massentierhaltung und Bodenspekulationen.

Reiko Wöllert von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL) Mitteldeutschland berichtete über die Praktikten von Investoren. Ihnen ist es gesetzlich untersagt Äcker und Wiesen in Deutschland zu kaufen, sofern es einen kaufinteressierten Landwirt gibt. Durch eine Gesetzteslücke werden jedoch gleich ganze Landwirtschaftsbetriebe aufgekauft.

Für den Freistaat Thüringen hat die AbL Kriterien für die Pächterauswahl zur Vergabe von landeseigenen Flächen erarbeitet. Mit diesen Vorschlägen wird der Ernährungsrat gegebenenfalls weiterarbeiten, um die Vergabe von städtischen Flächen in unserem Sinne zu beeinflussen.

Der Einladung zahlreiche Interessierte aus verschiedensten Bereichen des Ernährungssektors aus Dresden und Umland. Im Anschluss an die Vorträge wurde rege diskutiert.

Vielen Dank an die Referenten für die interessanten Vorträge & an alle Interessierten, die den Abend mit Fragen bereichert haben. Ein besonderer Dank geht an die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen, durch deren Unterstützung die Veranstaltung stattfinden konnte.