Wahlprüfsteine zur Stadtratswahl 2019 in Dresden

Das Ziel des Ernährungsrates Dresden ist die Stärkung der gesunden und nachhaltigen Ernährung in der Stadt Dresden und damit einhergehend die Stärkung des regionalen und biologischen Lebensmittelmarktes in Dresden und der Region. Das Thema Ernährung soll zu einem wichtigen Bestandteil der kommunalen Stadtentwicklung werden. Der Dresdner Ernährungsrat versteht es deshalb als seine Aufgabe, Zielsetzungen für lokale Ernährungspolitik zu diskutieren, daraus Handlungsprogramme zu erarbeiten und in die Umsetzung zu bringen.

Der Weltagrarbericht hat unmissverständlich festgestellt, dass die Zukunft der Ernährung in ökologischen Anbaumethoden und der kleinbäuerlichen, regionalen Landwirtschaft liegt. Diese Art der Landwirtschaft zu stärken, ist der aussichtsreichste Weg, um Hunger und Fehlernährung einerseits und Ressourcenausbeutung und Umweltzerstörung andererseits zu bekämpfen.

Zu Letzterem hat sich Deutschland mit der Unterzeichnung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) verpflichtet. Die Verwirklichung dieser Ziele hängt in starkem Maße davon ab, welche Ernährungsstrategien auf regionaler und lokaler Ebene entwickelt und umgesetzt werden. In der Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes für Dresden (INSEK) heißt es dazu: „Ziel muss sein, dass sich jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin in der Dresdner Politik und Verwaltung stets fragt, ob die Auswirkungen seiner/ihrer Entscheidung ökonomisch, ökologisch und sozial verträglich, kurzum nachhaltig sind.“

Der Ernährungsrat der Stadt Dresden hat daher bei verschiedenen Parteien nachgefragt, welche Positionen diese bei ihrer politischen Arbeit im neu zu wählenden zukünftigen Stadtrat für die Förderung einer Ernährungswende in der Stadt Dresden einnehmen wollen.

Wahlprüfstein 1: Gesundes und leckeres Essen in der Gemeinschaftsverpflegung in kommunaler Verantwortung

Welche Rolle spielt das Thema der Gemeinschaftsverpflegung vor allem in Kindertagesstätten und Schulen, aber auch in öffentlichen Kantinen, Mensen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen konkret im Kommunalwahlprogramm Ihrer Partei?

CDU
DIE LINKE
Bündnis 90 / Die Grünen
SPD
Bündnis Freie Bürger
FDP
AfD
CDU

Bereits in der Präambel unseres Wahlprogramms machen wir unser Verständnis von aufgeklärter Kommunalpolitik deutlich: „Wir als CDU Dresden verstehen uns als Repräsentant der Bürger – nicht als deren Schulmeister. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Dresdnern vorzuschreiben, wie sie leben und was sie denken sollen: Wir eröffnen Wahlmöglichkeiten!“

Unser Maßstab ist der mündige Bürger, der als Elternteil, Arbeitnehmer, Student, Patient oder Angehöriger in eigener Verantwortung über seine Ernährung oder die seiner Kinder oder Angehörigen entscheidet. Wir haben nicht vor, in die Entscheidungen von Elternräten, Schulkonferenzen oder die individuellen Entscheidungen der einzelnen Nahrungsmittelkonsumenten einzugreifen.

DIE LINKE

Gesunde und nachhaltig zubereitete Mahlzeiten sollten in allen städtischen Einrichtungen Standard sein. Dazu ist es notwendig, dass die Mahlzeiten nach Möglichkeit in den Küchen der Einrichtungen zubereitet werden, um lange Transportwege und Standzeiten für die Speisen zu vermeiden. DIE LINKE fordert in ihrem Wahlprogramm eine vollwertige, warme Mahlzeit pro Tag in Kitas und Schulen für maximal 2 Euro pro Kind. Da das gerade die Materialkosten deckt, muss die Herstellung zukünftig subventioniert werden.

Bündnis 90 / Die Grünen

Wir unterstützen den Ausbau des Anteils vollwertiger, frischer, gesunder und ökologischer Ernährung in Kitas und Schulen unserer Stadt. Kochküchen können in großen Einrichtungen wirtschaftlich betrieben werden – deshalb unterstützten wir ihre Einrichtung. Die Rahmenbedingungen benachteiligen aktuell kleine, lokale Essensanbieter*innen mit fairem, regionalem und frisch gekochtem Essen. Wir setzen uns für Veränderungen ein, die auch diesen Essensanbieter*innen eine realistische Chance eröffnen, von den Eltern den Zuschlag zu bekommen.

Desgleichen werden wir uns für gesundes und hochwertiges Essen im Städtischen Klinikum und in den von der Stadt getragenen Alten- und Pflegeheimen einsetzen, die als Gesundheitseinrichtungen eine besondere Verantwortung und Vorbildfunktion haben. Wir werden dazu unsere Einflussmöglichkeiten über den Krankenhausbetriebsausschuss und den Aufsichtsrat der Cultus gGmbH (Träger der Heime) nutzen.

Im Bereich der städtischen Verwaltung werden wir bei der gerade im Aufbau befindlichen städtischen Kantine ebenfalls auf ein gesundes, ökologisch und tierschutzgerechtes Essensangebot drängen mit der vorrangigen Nutzung lokaler Produkte.

SPD

Das Thema behandeln wir konkret im ersten Abschnitt „Bildung und Jugend“ unseres Kommunalwahlprogramms 2019-2024 (siehe unten). Unter der Rubrik Kitas und Schulen auf Seite 3, führen wir auf, was wir für Gemeinschaftsverpflegung tun wollen:

 

„Wir werden ein gesundes Mittagessen für jedes Kind anbieten: Durch Schul- und KITA-eigene Küchen schaffen wir die Voraussetzung, dass in den Einrichtungen (auch gemeinsam) regional, nachhaltig und gesund gekocht werden kann. Zudem setzen wir uns für ein Schulobstprogramm ein. Zur Unterstützung wollen wir eine “Kommunale Küche für gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensstile” gründen, um Kochen und Essen weg von der reinen Versorgung hin zu gelebter Kultur im Alltag unserer Bildungseinrichtungen zu integrieren.“

 

Sollten wir ein starkes Mandat für unsere Politik bekommen, so dass wir das auch erfolgreich umsetzen können, wäre es in einem nächsten Schritt naheliegend, diese Option auf Kantinen, Mensen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser auch zu erweitern. Ein wichtiges Ziel ist es natürlich, Vorbild für andere Anbieter zu sein und Arbeitsmodelle auszuprobieren um nachhaltige und finanziell tragbare Konzepte zu entwickeln.

 

Kommunalwahlprogramm SPD Dresden

Bündnis Freie Bürger

Die Wählervereinigung versteht sich als Plattform, auf der Politikinteressierte unabhängig von einem zentralen Programm kommunalpolitisch tätig werden. Daher gibt es bislang keinen Konsens oder intensive Diskussionen zum Thema Gemeinschaftsverpflegung.

FDP

Ist im Wahlprogramm nicht expliziert benannt. Dazu gibt es derzeit keine ausgereiften weiterführenden politischen Überlegungen innerhalb der Dresdner FDP.

AfD

Wir haben zu diesem allgemeinen Punkt keine konkreten Festlegungen im Programm.

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Wahlprüfstein 2: Stärkung des regionalen und biologischen Lebensmittelmarktes

Gutes Essen soll für alle Dresdner Bürger*innen leichter verfügbar sein.

Welche Maßnahmen zur Förderung regionaler Bio-Produkte und damit zur Stärkung des regionalen und ökologischen Lebensmittelmarktes hat Ihre Partei vorgesehen?

Wie positioniert sich Ihre Partei zu einer freiwillige Selbstverpflichtung der Stadt Dresden über die Verwendung einer Mindestmenge von regionalen und Bio-Produkten in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung – so wie es unter anderem in Berlin und Bremen festgelegt wurde?

CDU
DIE LINKE
Bündnis 90 / Die Grünen
SPD
Bündnis Freie Bürger
FDP
AfD
CDU

Es gibt in unserer Stadt eine Vielzahl an Bio-Märkten, Reformläden und Wochenmärkten. Der Zugang zu solchen Waren ist nicht zuletzt durch innovative Lieferdienste jedem Interessierten möglich. Wenn die entsprechende Nachfrage seitens der Konsumenten besteht, werden auch Anbieter von Gemeinschaftsverpflegungen besondere regionale oder Bio-Produkte anbieten. Eine staatliche Reglementierung ist dabei nicht zielführend.

DIE LINKE

Von der jahrzehntelangen EU-Agrar-Subventionierung mit Hauptaugenmerk auf der Größe der Anbauflächen profitierten vor allem landwirtschaftliche Großbetriebe. Kriterien wie Regionalität, Nachhaltigkeit und Qualität wurden hingegen vernachlässigt. Dies wirkte sich negativ auf den Verbraucherpreis von Lebensmitteln aus biologischem Anbau aus. Gutes, gesundes Essen, das nicht in Plastik verpackt ist, soll und muss für alle verfügbar und leistbar sein! Deswegen geht eine ökologische Wende mit DER LINKEN nur im Einklang mit der sozialen Wende. Initiativen zur Stärkung der Gemeinwohlökonomie, zum fairen Handel und zur Müllvermeidung bei städtischen Veranstaltungen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Darüber hinaus ist eine freiwillige Selbstverpflichtung der Stadt Dresden zur Verwendung einer Mindestmenge von regionalen und Bioprodukten in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung unbedingt zu begrüßen.

Bündnis 90 / Die Grünen

Wir wollen, dass die Gesundheit aller Dresdner*innen auf einem hohen Niveau gesichert ist. Dafür ist eine gesunde Umwelt mit sauberer Luft, Vermeidung von Lärm und Schutz vor übermäßiger Hitze im Sommer eine Grundvoraussetzung. Darüber hinaus wollen wir die Möglichkeiten für gesunde und nachhaltige Ernährung durch Unterstützung regionaler Angebote aus ökologischem Land- und Gartenbau verbessern, z. B. auf den Märkten der Stadt. Wir unterstützen ausdrücklich Initiativen wie Marktschwärmer oder solidarische Landwirtschaft und erwarten mehr Unterstützung dieser zeitgemäßen, regionalen und ökologischen Aktivitäten durch die Stadtverwaltung. Wir begrüßen und unterstützen die Arbeit des Dresdner Ernährungsrates.
Wir setzen uns ausdrücklich für Selbstverpflichtungen der Stadt Dresden zur Verwendung von regional erzeugten und von Bio-Produkten in städtischen Einrichtungen ein und werden dies wie bereits zu WP 1 ausgeführt in den zuständigen Gremien zum Thema machen.

SPD

Wie unter der Antwort zum 1. Prüfstein bereits erwähnt, wollen wir ausdrücklich regionale Produktion mit nachhaltigem Anbau und gesunder Ernährung verbinden. Welche Modelle und welche Vorbilder wir anwenden wollen, würden wir bei der Umsetzung gezielt an unseren lokalen Voraussetzungen in Dresden ausprobieren und anpassen. Manche Aspekte können auf Freiwilligkeit basieren, andere fordern erfahrungsgemäß klare Spielregeln wie z.B. Quoten. Als Sozialdemokraten ist es uns aber besonders wichtig, dass die Angebote für alle zur Verfügung stehen. Grundsätzlich soll das Portmonee oder der Wohnort nicht dafür entscheidend sein, ob der oder die einzelne den Zugang zu einer nachhaltigen, ökologischen und gesunden Ernährung hat.

Bündnis Freie Bürger

Eine solche Regelung würden wir unterstützen, um den Anteil von regionalen Bio-Produkten zu erhöhen und damit sowohl einen Beitrag für die Gesundheit wie auch für den Ausbau regionaler und nachhaltiger Wirtschaftsstrukturen zu leisten.

FDP

Wir unterstützen Gründer und Kleingewebe – dazu gehören natürlich auch BioLäden, Lebensmittel und Imbissanbieter im Bereich der von Ihnen angesprochenen gesunden Ernährung.


Wir setzen uns für eine Überarbeitung des Marktkonzeptes der Stadt Dresden ein, damit die städtischen Märkte zu “Feierabendmärkten” werden müssen und nicht schon um 17 Uhr schließen.
Eine Überarbeitung des städtischen Marktkonzepts muss zulassen, dass auch kleine lokale Händler zu festgelegten Zeiten flexibel ihre Waren an Plätzen in ihren Vierteln anbieten können, unabhängig von den großen ausgewiesenen Marktflächen.

AfD

Selbstverpflichtungen einer Kommune um bestimmten Produzenten einen gesicherten Absatz ihrer Produkte zu verschaffen haben in der AfD keine Mehrheit. Natürlich sollen auch regionale und Bioprodukte angeboten werden, aber letztendlich muss der Verbraucher entscheiden, ob er das Angebot auch annimmt. Eine Quotierung bestimmter Produkte greift entweder in unzulässiger Weise in die Verbraucherrechte ein oder führt zum Wegwerfen nicht verbrauchter Lebensmittel. Beide Konsequenzen einer Quotierung lehnen wir ab.

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Wahlprüfstein 3: Mitglied im Netzwerk Bio-Städte und Gemeinden

Es gibt eine wachsende Anzahl von Kommunen in Deutschland, die sich im Netzwerk der Bio-Städte und Gemeinden organisieren. Dazu zählen seit längerem auch Erfurt und Leipzig.

Wird Ihre Partei den Beitritt Dresdens zu diesem Netzwerk befördern?

CDU
DIE LINKE
Bündnis 90 / Die Grünen
SPD
Bündnis Freie Bürger
FDP
AfD
CDU

Unser Augenmerk liegt in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der Region. Gerade aus dem ländlichen Bereich um Dresden kommt der überwiegende Teil unserer regionalen Lebensmittel. Dies gilt es zu pflegen und weiter auszubauen. Inwieweit eine Partnerschaft mit Leipzig oder gar Erfurt in diesem Kontext sinnvoll wäre, erschließt sich uns nicht.

DIE LINKE

DIE LINKE kämpft gerade gemeinsam mit den Grünen darum, dass Dresden den Titel Fairtrade-Town behalten kann. Ein entsprechender Antrag zum Masterplan Fairtrade wird demnächst im Stadtrat beschlossen. Darüber hinaus ist es förderlich, eine freiwillige Selbstverpflichtung der Stadt Dresden zur Verwendung einer Mindestmenge von regionalen und Bioprodukten bei Ausrichtung öffentlicher Veranstaltungen und bei der Versorgung innerhalb der städtischen Eigenbetriebe festzuschreiben.

Bündnis 90 / Die Grünen

Wir halten das Netzwerk Bio-Städte für eine sehr gute Initiative und werden im neu gewählten Stadtrat auf einen Beitritt der Landeshauptstadt Dresden zu dem Netzwerk hinwirken und dabei auch auf den kürzlich erfolgten Beitritt der Stadt Leipzig verweisen.

SPD

Die SPD–Deutschland und damit auch die SPD-Dresden setzt sich grundsätzlich für die Umsetzung der 17 UN- Ziele für nachhaltige Entwicklung ein und die SPD-Dresden setzt sich selbstverständlich für die Umsetzung der Ziele des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes ein. Vor diesem Hintergrund ist der Wissenstransfer und die Zusammenarbeit innerhalb von Fachnetzwerken eine vielversprechende Möglichkeit, um die Umsetzung der Ziele zu beschleunigen. Als Sozialdemokraten ist es uns dabei sehr wichtig, dies auch sehr breit in der Gesellschaft zu verankern. Hier bedarf es deswegen nicht nur des Anschlusses an konstruktive Netzwerke, sondern wir müssen auch das Engagement einer Vielzahl der Dresdnerinnen und Dresdner für das Thema wecken. Um dies zu befördern, wollen wir mit unserem Kommunalwahlprogramm auch die Arbeit des Klimaschutzstabs der Kommune und die Weiterbildungsangebote für die Verwaltungsangestellten zu den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit stärken. Wir denken, dass dies wesentliche Schritte sein können, um auch den Weg in das Städtenetzwerk mit breiter Unterstützung aus der Stadtgesellschaft zu gehen.

Bündnis Freie Bürger

Die Mitgliedschaft an solchen kommunalen Netzwerken ist dann sinnvoll, wenn sie personell durch die Stadtverwaltung abgedeckt werden kann und Teil einer größeren Strategie ist. So lange keine vom Stadtrat beschlossene Versorgungs- und Ernährungsstrategie vorliegt, würde eine formelle Netzwerkmitgliedschaft nur Fassade sein. Daher bedarf es zuvor der Entwicklung einer Strategie. Einen Stadtratsantrag, der die Verwaltung auffordert, solch eine Strategie unter Einbeziehung des Ernährungsrates zu entwerfen, wollen wir gern unterstützen.

FDP

Ist im Wahlprogramm nicht expliziert benannt. Dazu gibt es derzeit keine ausgereiften weiterführenden politischen Überlegungen innerhalb der Dresdner FDP.

AfD

Ja, wenn der Stadt dadurch keinerlei Kosten entstehen.

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Wahlprüfstein 4: Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung

Pro Kopf werden in jedem Jahr ca. 82 kg Lebensmittel weggeworfen. Das sind, hoch-gerechnet auf die Einwohner und Einwohnerinnen Dresdens, rund 46.000 Tonnen oder über 1.500 LKWs mit nicht verzehrten Nahrungsmitteln.
Welche Maßnahmen zur Verringerung dieser Abfallmenge und damit zur Schonung wertvoller Ressourcen vor allem im Handel und in der Außer-Hausverpflegung will Ihre Partei ergreifen?

CDU
DIE LINKE
Bündnis 90 / Die Grünen
SPD
Bündnis Freie Bürger
FDP
AfD
CDU

Dass Lebensmittel weggeworfen und nach Ihrer Darstellung damit verloren wären, stimmt so nicht. Bereits jetzt wird ein großer Teil der entsorgten Lebensmittel der Weiterverarbeitung im Bioenergiebereich und der Humuswirtschaft wieder zugeführt. Diese Verwertungsquote weiter zu steigern, ist sinnvoll. Darüber hinaus ist der kommunale Einfluss bei dem Thema begrenzt. Wir können uns aber vorstellen, unter gewissen Voraussetzungen eine kommunale Aufklärungskampagne zur Lebensmittelabfallvermeidung zu unterstützen.

DIE LINKE

Solange es als exotisch gilt, kleine Mengen der benötigten Waren lose in mitgebrachten Gefäßen zu kaufen, wird sich die Menge der verdorbenen und deshalb entsorgten Lebensmittel in Privathaushalten kaum reduzieren lassen. Die Lebensmittelüberproduktion könnte dadurch vermindert werden, indem der Handel nicht bis Ladenschluss das volle Sortiment an verderblichen Waren anbieten muss. Darüber hinaus hoffen wir auch auf die Bundesgesetzgebung, damit die kostenlose Mitnahme von abgelaufenen Lebensmitteln legal wird. Die Kriminalisierung von Foodsharing-Aktivitäten steht dem Anliegen, verantwortungsvoll mit Ressourcen und Lebensmitteln umzugehen, diametral entgegen.

Bündnis 90 / Die Grünen

Wir finden die Lebensmittelverschwendung in Deutschland skandalös und haben daher in unserem Bundestagswahlprogramm 2017 von Supermärkten ab einer gewissen Größe eine Verpflichtung gefordert, nicht mehr verkäufliche, aber noch gute Lebensmittel kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Solche Verpflichtungen können aber nur durch Bundes- oder Landesgesetzgebung geregelt werden. Eine Kommune hat hier wenig Wirkungsmöglichkeiten. Wir werden jedoch prüfen, ob hier entsprechende Regelungen für die städtischen Märkte über die Marktsatzung möglich sind. Darüber hinaus werden wir uns dafür einsetzen, dass die Stadt über entsprechende Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit auf Veränderungen im Verbraucherverhalten hinwirkt
und Gespräche mit Supermarkt-Betreibern führt. Hier bietet sich besonders die Konsum eG als lokal und regional wirkendes Unternehmen als bevorzugter Ansprechpartner und möglicher Vorreiter an.

SPD

Unter der Rubrik Energie und Umwelt im Kommunalwahlprogramm sehen wir die städtischen Institutionen selber in der Pflicht als Vorbilder zu agieren. Und zwar nicht nur beim Thema Energieverbrauch sondern auch beim Ressourcenverbrauch.

„Um den Bürgerinnen und Bürgern auch glaubhaft diesen Weg kommunizieren zu können, muss die Stadt selbst Vorbild sein und ihren Energie- und Ressourcenverbrauch reduzieren.“

Dafür wollen wir u.a. die Weiterbildungsangebote der Stadtangestellten zum Thema erweitern und einen Maßnahmenkatalog für die Kommune zur Reduzierung von übermäßigem Ressourcenverbrauch und Verschwendung von Material und Lebensmitteln entwickeln (u.a. um Dresden perspektivisch zu einer Zero-Waste-City zu machen). Mit der Stärkung der Aktivitäten des Klimaschutzbüros kann auch dieses Thema schneller und mit erweiterter fachlicher Tiefe vorangetrieben werden.

Bündnis Freie Bürger

Als Wählervereinigung haben wir nicht genügend KonwHow, um darauf eine Antwort zu geben. Wir wollen aber zivilgesellschaftliche Gruppen und StartUps mit ihrem Fachwissen unterstützen, um Pilotprojekte umzusetzen, mit denen stadtgesellschaftlich Fragen wie diese adressiert werden können. Solche Unterstützung kann durch eine Auswertung des Fördertopfes „Zukunftstadt“ passieren, über den Nachhaltigkeitsprojekte erprobt werden und daraus gelernt werden kann. Ein Beispiel ist das Projekt „Zur Tonne“, bei dem es um die Weiterverarbeitung von im Handel ausgemusterten Lebensmitteln geht.

FDP

Ist im Wahlprogramm nicht expliziert benannt. Dazu gibt es derzeit keine ausgereiften weiterführenden politischen Überlegungen innerhalb der Dresdner FDP.

AfD

Hier ist in erster Linie der Verbraucher zuständig, aber auch die vorgegebene Haltbarkeitsdauer der Lebensmittel hat auf das Wegwerfverhalten einen Einfluß. Deren Festlegungen liegen aber nicht im Ermessen der Kommune.

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Wahlprüfstein 5: Förderung von Ernährungsbildung und Erziehung

Das Wissen um den Anbau und die Zubereitung von Lebensmitteln nimmt rapide ab. Es gibt kaum noch Schulgärten, das Zubereiten von frischen und gesunden Mahlzeiten verliert immer mehr an Bedeutung.

Welche Unterstützung und Förderung für eine bessere Ernährungsbildung für Kinder und Jugendliche auf der einen Seite, aber auch für Pädagoginnen und andere Multiplikatorinnen sind im Kommunalwahlprogramm Ihrer Partei angedacht?

CDU
DIE LINKE
Bündnis 90 / Die Grünen
SPD
Bündnis Freie Bürger
FDP
AfD
CDU

Dies ist kein expliziter Bestandteil des Wahlprogramms. Auch hier können wir uns aber vorstellen, unter gewissen Voraussetzungen eine kommunale Aufklärungskampagne zur Lebensmittelzubereitung zu unterstützen. Ihre Aussage, dass es kaum noch Schulgärten gäbe, können wir allerdings nicht bestätigen.

DIE LINKE

Obwohl Bildung und damit auch Lerninhalte Ländersache sind, wollen wir natürlich den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen stärken. Die Vermittlung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten unterliegt dabei nicht nur der Verantwortung der Schulen. Auch außerschulische Angebote wie Jugend- und Freizeitzentren könnten hier als Mittler tätig werden. Diese müssten idealerweise von Anfang an inklusiv und interkulturell geplant werden, um weitere positive Effekte auf das gesellschaftliche Zusammenleben in den Quartieren zu stärken.

Bündnis 90 / Die Grünen

Wir werden Umweltbildung in Schulen und Kitas stärken. Grüne Klassenzimmer und naturnahe Freiflächen sollen noch stärker als bisher umgesetzt werden. Wir wollen, dass Schüler*innen sich auch neben klassischen Unterrichtsfächern wie Sachunterricht oder Biologie mit ihrer Ernährung auseinandersetzen können.
Aus diesem Grund unterstützen wir die Einrichtung von Koch-AGs an allen Dresdner Kitas und Schulen. Auch für eine bedarfsgerechte Küchenausstattung werden wir uns einsetzen.

SPD

Unter der Rubrik Soziales, Gesundheit, Senioren und Integration werden wir „zum Beispiel die Versorgung von Kindern mit gesundem Essen in Kitas und Schulen, genauso wie ausreichend bezahlbare Sportangebote für alle Menschen in der Stadt als Teil eines neuen städtischen Gesundheitszieleprozesses initiieren.“ Damit wird noch einmal unser Ansatz verdeutlicht, die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz, gesunde Ernährung und Chancengleichheit gemeinsam zu denken. Als Sozialdemokrat*innen ist es uns äußerst wichtig, dass diese Themen zukünftig von noch weiteren Teilen der Gesellschaft mitgetragen werden, und das alle eine echte Chance bekommen, sich nachhaltige Lebensstile auch finanziell leisten zu können. Konkret werden wir uns unter der Rubrik Energie und Umwelt für:

 

-die „Sicherung von Kleingartenanlagen, Bereitstellung von Flächen für Urban Gardening sowie insektenfreundliche Grünpflege
-die Einbeziehung ehrenamtlicher Naturschützer durch Berufung sachkundiger Einwohnerinnen/Einwohner als beratende Mitglieder in den zuständigen Ausschüssen“

 

einsetzen. Dies in Verbindung mit den bereits erwähnten erweiterten Weiterbildungsangeboten für städtische Angestellte, soll die gesamtgesellschaftliche Kompetenz zu Umweltschutz und nachhaltigem Lebensstil insgesamt stärken und auf längere Sicht gegenseitig multiplizieren.

Bündnis Freie Bürger

Dresden mangelt es an einer Strategie zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Die bisherigen Aktivitäten im Bildungsressort laufen ohne jegliche Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsblickwinkels. Das Ernährungsthema ist geeignet, Nachhaltigkeitsfragen bei Kindern und Jugendlichen aber auch Pädagogen alltagsnah zu vermitteln. Auch hier gilt: ohne eine Gesamtstrategie ist eine punktuelle Bildungsarbeit – insbesondere da klassische Bildungsarbeit in der Kompetenz des Freistaates Sachsen liegt – nur begrenzt wirksam.

Am stärksten wirken Vorbilder. Daher plädieren wir dafür, dass bei Veranstaltungen der Landeshauptstadt Dresden grundsätzlich nur noch bio- und regionale, vegetarische Lebensmittel eingesetzt werden und so ein Lerneffekt für Verwaltungsmitarbeiter und Veranstaltungsgäste entsteht.

FDP

Eigeninitiativen und spezielle Projekte sind ein positiver Aspekt und sollten nicht durch bürokratische Hürden verhindert werden.
Dabei wollen wir unter der Devise “Fördern und Fordern“ verstärkt auf die Bedürfnisse und Neigungen unserer Kinder eingehen. Darüber hinaus sollen noch mehr Kooperationen als bislang mit lokalen Vereinen ermöglicht werden.

Auf Unterstützung sinnvoller Ideen können Sie zählen.

AfD

Im KWP nicht angesprochen, aber unterstützenswert.