Exkursion
Planbarkeit trifft Saison: KitchenTalk auf Hof Mahlitzsch
18. Aug. 2026

Planbarkeit trifft Saison: KitchenTalk auf Hof Mahlitzsch

Beim zweiten KitchenTalk 2026 auf Hof Mahlitzsch ging es um die Frage, was regionale Erzeugung im Jahreslauf bedeutet – von Getreide, Gemüse und Milchprodukten bis hin zu Verarbeitung, Direktvermarktung und Ökokisten. Beim Hofrundgang wurde sichtbar, wie eng Erzeugung, Lagerung, Verarbeitung und Vermarktung miteinander verbunden sind und welche Rolle Planbarkeit, Saison und Flexibilität dabei spielen. Im Austausch zwischen Gastronomie, Erzeugung und Stadtverwaltung wurde deutlich: Mehr Regionalität braucht gute Absprachen, Vertrauen und die Bereitschaft, gewohnte Beschaffungsprozesse neu zu denken.

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Am ersten – endlich regenreichen – Tag nach den Sommerferien fand der zweite KitchenTalk 2026 im Rahmen der BioRegio-Modellregion Oberes Elbland statt. Unter dem Titel „Was wächst wann und wie viel?“ trafen wir uns auf dem regensicheren Sonnendeck des Hofcafés von Hof Mahlitzsch bei Nossen. Wir wurden von Ludwig Krug (Strategie), Christian Frenzel (Gartenbau), Philipp Elger (B2B-Vertrieb) und Elke Schwab (Hofcafé) mit Kaffee und Schnittchen begrüßt.

Nach einer Vorstellungsrunde lernten wir anhand genau dieser Schnittchen die breite Produkt- und Produktionspalette des Hofes kennen: Brot aus eigenem Getreide und der eigenen Bäckerei, Frischkäse von den eigenen Weidekühen und aus der eigenen Molkerei sowie Tomaten, Gurken, Paprika und Kräuter aus dem eigenen Gartenbau. Dazu kommen ein Hofladen, die hofeigene Fleisch- und Wurstverarbeitung sowie die Ökokisten auf Online-Bestellung, von denen wöchentlich über tausend Kisten den Hof verlassen und im Großraum Dresden ausgeliefert werden.

Bei einem ausgedehnten Hofrundgang erhielten wir anschauliche Einblicke in die verschiedenen Betriebsbereiche: die Weidehaltung der knapp 80 Zweinutzungsrinder, die Teilnahme an der bundesweiten Initiative „Schlachtung mit Achtung“, den Ackerbau mit verschiedenen Getreidearten und Wurzelgemüse mit Schwerpunkt Kartoffeln. Hier investierte der Hof kürzlich in drei neue Kühllager, um die Lagerfähigkeit deutlich zu verlängern. Außerdem wird aktuell geprüft, wie vor allem Kartoffeln und Möhren durch Vorverarbeitung – etwa geschält, roh oder gewürfelt – für Gastronomie und Außer-Haus-Verpflegung interessanter werden könnten.

Wir besuchten die Gewächshäuser für Gurken, Tomaten, Paprika und Auberginen und sprachen über die 11 Hektar Freifläche für den Gemüseanbau in weiter Fruchtfolge. Sichtbar wurde dabei auch, wie eng Erzeugung, Direktvermarktung und Verarbeitung auf Hof Mahlitzsch miteinander verbunden sind – vom Hofladen über die Ökokisten bis hin zur Hofbäckerei, Hoffleischerei und dem Hofcafé.

Darüber hinaus tauschten sich die teilnehmenden Gastronom:innen, Erzeuger:innen und Vertreter:innen der Stadtverwaltung darüber aus, was es braucht, damit mehr regionale Produkte auf den Tellern von Restaurant- oder Marktbesucher:innen landen. Besonders deutlich wurde dabei das Spannungsfeld zwischen Planbarkeit und Sicherheit auf der einen Seite sowie Flexibilität und kurzfristig möglichen Absprachen auf der anderen Seite.

Denn Lebensmittelerzeuger:innen wissen zu Beginn des Sommers nicht immer, ob ihnen zum Beispiel der Salat wie in diesem Jahr trotz Bewässerung schlicht verdorrt – und dann einfach nicht geliefert werden kann. Gastronom:innen wiederum müssen ihren Gästen spätestens einen Monat vor einer geplanten Veranstaltung sagen können, was auf dem Buffet stehen wird. Wie kann Menüplanung also flexibel bleiben und gleichzeitig konkret und verbindlich genug sein, um auf regionale Verfügbarkeit sowie saisonale und klimatische Schwankungen reagieren zu können? Könnte die Anbauplanung für die nächste Saison bereits mit den abnehmenden Gastronomiebetrieben abgestimmt werden? Und wie können Absprachen zwischen Erzeugung und Gastronomie vertrauensbasiert und auf kurzem Wege funktionieren?

Eines wurde an diesem Vormittag besonders deutlich: Für alle Akteur:innen entlang der regionalen Wertschöpfungskette bedeutet mehr Regionalität auch, die eigenen bisherigen Beschaffungs- und Vermarktungsprozesse bewusst zu hinterfragen. Denn der Einkauf über den Großhandel und die gewohnte ganzjährige Verfügbarkeit vieler Produkte laufen häufig auf Autopilot. Gleichzeitig stellt sich auch für Erzeuger:innen immer wieder neu die Frage: Was wächst wann und wie viel – und für wen genau?

Ein spannender Prozess des Aufeinanderzubewegens.

Weiter geht es in der Reihe bereits am 01. September mit dem KitchenTalk „Sichtbar sein – KI und Förderung jetzt nutzen“ in der Alten Gärtnerei in Pieschen. Hier der Link zum nächsten KitchenTalk.